Wasser kennt keine Grenzen

Eine grenzüberschreitende Kanuwanderung

Vom Wasser haben wir's gelernt - das Wasserwandern
In einer flachen Landschaft fließen die Flüsse gemächlich dahin. Wer das Abenteuer, die sportliche Bewährungsprobe sucht, wird wahrscheinlich nicht auf seine Kosten kommen. Wer aber Ruhe und Abgeschiedenheit zu schätzen weiß, dem sei diese ca. 185 km lange Tour empfohlen.

Ausgangspunkt der Wasserwandertour ist die Stadt Trzciel. Hier bringt man sein Kanu aufs Wasser der Obra. Der Ort war und ist für die Verarbeitung von Schilfrohr und Weiden bekannt.

Zunächst verengen Schilf und Weidenäste die Fahrrinne. Bald jedoch öffnet sich der Fluß zu den Seen Konin und Wielkie. Bis zum Austritt der Obra am westlichen Seeufer befinden wir uns im Landschaftsschutzpark von Pszczew. Hinter einer weiteren Enge heißt das Gewässer See Rybojadto. Die Seen bei Trzciel sind sehr fischreich und locken Angler aus ganz Polen an. In Miedzyrzecz, dem nächsten Ort, den man erreicht, besteht am Zufluß der Paklica links die beste Möglichkeit zum Anlegen. Die schon 1005 erstmals urkundlich erwähnte Stadt ist heute vor allem wegen des in der Nähe gelegenen Klosters Paradies und wegen der Befestigungsanlagen des Oder-Warthe-Bogens bekannt. Ab dem Ort Swiety Wojciech zieht sich der Fluß in vielen Windungen hin. Nach einigen Hindernissen und einer Wildwasserstrecke wird die Obra breiter. Wir erreichen Bledzew mit seinem mittelalterlichen Marktplatz.



Vom Bledzewski See aus besteht eine Verbindung zum See Chycina und anderen Gewässern. Kurz vor der Mündung der Obra in die Warthe kann man übernachten.

Santok liegt an der Mündung des Flusses Notec in die Warthe. Das Burgmuseum sollte man ebenso besuchen wie das Naturschutzgebiet "Zakole Santockie". Die Strecke ab hier bis Gorzow ist landschaftlich weniger abwechslungsreich als der bisher zurückgelegte Weg. In Gorzow Wlkp. wird man dafür aber wieder entschädigt. 12 Parks, der frühgotische Dom, eine Sammlung alter und moderner Kunst und der Jazzklub "Pod Filarami sind nur einige Sehenswürdigkeiten der Stadt. Hinter Gorzow werden die Dörfer weniger, und vor Kostrzyn ist man ganz allein mit dem Fluss. An der Brücke von Swierkocin beginnt der Park Narodowy "Ujscie Warty" (Warthe Nationalpark), der vor allem Wasservögeln Lebensraum bietet.



In Kostrzyn muß das Boot ausgesetzt werden, denn ein Grenzübertritt auf dem Wasser ist noch nicht möglich. Ein Aufenthalt in der Stadt kann mit der Besichtigung der Reste der Festung und der Altstadt verbunden werden, die 1945 in Schutt und Asche fiel.



Beim Umsetzens des Bootes mittels Pkw ist der Kanuverleih in Gorgast gern behilflich. Bei Reitwein, der "Perle des Oderbruchs", wird in den Bullergraben wieder eingesetzt. In der Nähe von Manschnow ist ein Umtragen der Wehranlage notwendig. Von hier aus geht es seelenruhig weiter bis Gorgast, wo ein Rastplatz mit Übernachtungsmöglichkeit eingerichtet ist.

In Gorgast lohnt sich ein Besuch des Forts. Es wurde 1883-1889 als Außenfort für Küstrin erbaut. Weiter geht es in Richtung Golzow. Freunden des Dokumentarfilms ist dieser Ort ein Begriff. Denn hier drehte Winfried Junge seine Langzeit-Dokumentation "Die Kinder von Golzow".

Die letzte Etappe der Tour beginnt in Zechin. Von hier an befährt man den Hauptgraben. Er führt an einigen kleinen Ortschaften vorbei, in denen sich der Bedürftige mit Verpflegung eindecken kann. In Wriezen endet die Tour. Vor der Abreise sollte der Stadt, die einmal als heimliche Hauptstadt des Oderbruches galt, einen letzten Blick schenken. Die ehemalige Malzfabrik beherbergt eine Galerie und das Stadtmuseum.

Wer die gesamte Tour gepaddelt ist, hat drei Flüsse befahren, von denen jeder sein eigens Gesicht hat: Die Obra, die Warthe und die Alte Oder.

Wenn sie mehr wissen wollen, zum Beispiel auf welchem Zeltplatz hervorragender Fisch gebraten wird, dann bestellen sie unsere Broschüre.


Text: Carmen Winter
Fotos: Johannes Müller


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