Denk-Mal-Tour

Radelnd zu Denkmalen und Gedenkstätten

Denk mal! Scheinen Denkmäler aufzufordern. Immer wollen sie an etwas erinnern. Diese ca. 230 km lange Radtour wird den Reisenden an manchem Ort nachdenklich stimmen. Soll sie auch. Aber beim Radeln durch die Natur wird manch schwerer Gedanke wieder leichter werden.

In Fürstenwalde, dem Ort an dem diese Reise startet, lohnt ein Blick in den Dom. Dort findet man die Grabplatte für Dietrich von Bülow (um 1460 - 1523), kurfürstlich-brandenburgischrer Rat, also seinerzeit einer der höchsten Beamten im Lande. Im Fürstenwalder Ortsteil Ketschendorf befindet sich ein Ort des Gedenkens an die Häftlinge eines sowjetischen Internierungslagers. Neben Naziverbrechern waren auch Unschuldige in diesem Lager, dessen Einrichtung auf Alliierten-Recht basierte, interniert.



In Berkenbrück steht auf der Dorfaue die 1872 gepflanzte Friedenseiche und unweit von Briesen, am Weg nach Kersdorf, erinnert ein Denkmal an das Jagdglück von Friedrich Wilhelm II. Hier soll er einen 66-Ender Hirsch erlegt haben. Im Wald bei Falkenhagen liegen die Reste der ehemaligen Sarinwerke, ein geheimnisumwittertes Gelände. Und zwar nicht nur, weil hier todbringende Chemikalien produziert werden sollten. Nach 1945 nutzte die Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte das Gebiet. Bei Lietzen befindet sich einer der großen Soldatenfriedhöfe für die deutschen Gefallenen des II. Weltkrieges.

Nach so vielen Erinnerungen an kriegerische Zeiten ist es vielleicht angenehm, an einem stillen Ort Einkehr zu halten. Mit der vom Templerorden in der 1. Hälfte des 13. Jahrhundert errichteten Kirche von Neuentempel ist so ein Ruhepunkt gegeben. In der Gedenkstätte "Seelower Höhen" wird mit Fotos, Lagekarten und Geländemodellen, Flugblättern und Briefen an die Kämpfe im Frühjahr 1945 erinnert.

Auf dem Krugberg bei Werbig trafen sich 1993 Bildhauer aus verschiedenen europäischen Ländern zur gemeinsamen Arbeit. Zu gleicher Zeit pflanzten Jugendliche aus vier Ländern auf Anregung des Aktionskünstlers Ben Wargin einen Friedenswald. Viele Besucher lockt das Fort Gorgast an. Es wurde 1883 -1889 als Außenfort zur Festung Küstrin gebaut. 1945 wurde die Festung Küstrin zerstört, seit dem ist sie Mahnmahl gegen den Krieg.





Schon seit 1832/33 hatte Slonsk (Sonnenburg) ein Gefängnis. Damals war es die Königlich-Preußische Strafanstalt, ab 1933 Konzentrationslager, später Zuchthaus. Seit 1974 erinnert ein Museum an die Geschehnisse.



In dem bekannten Erholungsort Lubniewice wurde erst vor wenigen Jahren, 1994, ein ungewöhnliches aber schönes Denkmal eingeweiht: der Springbrunnen der guten Nachbarschaft. Weiter geht die Reise nach Miedzyrzecz, einem Ort, der sowohl von militärhistorisch Interessierten, als auch von Fledermausfreunden viel besucht wird. Auf einer elf Kilometer langen Route kann man einen Teil des Bunkersystems der Befestigungsanlage "Oder - Warthebogen" besichtigen. Nach all den Denkmälern, die an Krieg, Gewalt und Zerstörung erinnern, führt der Weg über Lagow, Torzym und Rzepin durch idyllische Landschaften wieder in Richtung Oder.

Slubice, die einstige Dammvorstadt von Frankfurt (Oder) hatte seit 1399 einen jüdischen Friedhof. Nach 1945 war er dem Verfall preisgegeben. Zwei Grabsteine wurden mittlerweile wieder aufgestellt. Unweit von Slubice, in Swiecko, dort wo die Autobahnbrücke die Oder überquert, befand sich von Oktober 1940 bis Januar 1945 das Arbeitslager "Oderblick". Frankfurt (Oder) ist reich an Denkmälern. Auf drei sei hingewiesen. Im Gertraudenpark findet man das Denkmal für Heinrich von Kleist. Unweit davon befinden sich zwei Grabmale. Eines für den Universitätsprofessor Joachim Georg Darjes und seine Frau und eines für Ewald von Kleist, der in der Schlacht bei Kunersdorf, heute Kunowice, verwundet wurde und in Frankfurt (Oder) seinen Verletzungen erlag.

Es ist nicht leicht, dieses Erinnern, aber ein wichtiger Teil unseres Lebens. Denn ohne Erinnerung kann keine Zukunft stattfinden.

Wenn Sie mehr wissen wollen, zum Beispiel welche bekannten Persönlichkeiten in Slonsk gefangengehalten wurden, dann bestellen Sie unsere Broschüre.


Text: Carmen Winter
Fotos: Johannes Müller, Stefan Wiernowolski



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